Generative Gestaltung
Interaktion und Raum
Lehrinhalt
Da jede Gestaltung etwas erzeugt, ist sie von sich aus generativ. Wenn das Wort vom generative design, auch in seiner deutschen Fassung, dennoch Konjunktur hat, so muss sich darin eine Besonderheit zeigen. Die Besonderheit ist schlicht und einfach die Abgabe eines Teils der gestalterischen Tätigkeit vom Designer an Software, die auf einem Computer die Sache zum Teil schon richtet. Solch ein Abgeben verlangt naturgemäß, dass die Software erst einmal hergestellt, also auch gestaltet werden muss. Neuartige Gestaltungsaufgaben, etwas ungewohnt noch, sind also verlangt, um Gestaltungstätigkeit auf der Höhe der Zeit zu leisten.
So etwa ist – unabhängig vom leicht modischen Wort der »generativen Gestaltung« – die Situation der Digitalen Medien zu kennzeichnen. Erstaunliche Gestaltungen sind relativ leicht möglich geworden, ohne innovative Tätigkeit der Designer und Designerinnen jedoch geht es auch nicht. Ohne dass die Studierenden erfahren und begreifen, dass Digitale Medien dort und dadurch stattfinden, wo und wodurch Ästhetik und Algorithmik sich aktiv begegnen und durchdringen, wo beide Denk- und Handlungsrichtungen gleichermaßen geübt und gepflegt werden, wo die eine nicht der anderen im Wege steht, sondern wo beide selbstverständlich werden, in aller Konsequenz – ohne all das also können wir nur additiv und auf Herkömmliches schauend von Digitalen Medien reden.
Das aber wollen wir nicht! Wir laden die Studierenden der verbundenen Schulen deswegen dazu ein, bewusst den Versuch der Digitalen Medien einzugehen. Wir wollen versuchen, günstige Situationen dafür herzustellen, dass neuartige Formen in Wechselwirkung zwischen Mensch und Computer entstehen, ohne dass der Mensch je die Kontrolle abgibt. Wir wollen generative Gestaltung kritisch kennenlernen: aus der Nähe unmittelbaren Handelns und aus der Distanz kritischer Reflexion. Begeisterung und Skepsis sollen uns leiten. Fragen, denen wir nachgehen wollen, sind praktischer und theoretischer, ästhetischer und algorithmischer Art. Was wollen wir unter »generative Gestaltung« verstehen? Woher kommt sie? Wohin kann sie führen? Was sind ihre technisch-handwerklichen, was ihre ästhetisch-konzeptuellen Mittel? Wo hat sie ihre Schranken, wo ist sie Mode, wo führt sie die gestalterische Tradition fort? Es wird eine Rahmenaufgabe geben, zu der kleine Gruppen von Studierenden während des Semesters ihre Projekte durchführen. Es wird Diskussions- und Leserunden geben. Es wird einen intensiven Workshop zu Processing geben. Zu den Hochschultagen Anfang Februar 2011 bereiten wir einen Beitrag vor (Ausstellung).
Struktur
Termine
14.10 Einführung. „9 = m + n“ – Max Bill (FN). Organisatorisches. Rahmenaufgabe. Einstimmung auf den ersten Workshop.
16.10 Samstag-Workshop zu Processing, 11 bis 18 Uhr (FN)
21.10 Graphen – ein wahrlich spannender Gegenstand (FN)
23.10 Samstag-Workshop zu Processing, 11 bis 18 Uhr (FN)
28.10 Lineare Algebra & Vektoren – schon wieder so was, na klar (DP).
Ideen zu individuellen Projekten für das Semester innerhalb des Rahmens „Rekursion“
04.11 Iteration und Rekursion – da wollen wir zulangen, das Jahrhundert zwingen (DP, FN)
11.11 Implizite Flächen – hm? Z.B. Kugel und Kleinsche Flasche (FN)
18.11 Marching Cubes and Squares and Bands (DP)
25.11 Das Raster – ist ja auch überall, also mal systematisch (DP)
27.11 Samstag-Workshop 'Rekursion', 10 bis 17 Uhr (alle)
02.12 Generative Gestaltung. Parametrisiertes Design. Prozedurales Entwerfen (FN, DP)
09.12 Physikalisches Modellieren (DP)
16.12 Agenten also Modellierung und Künstlerische Künstliche Intelligenz – ein Traum (DP)
06.01 L-Systeme und formale Grammatik – etwas vom Feinsten (FN)
13.01 Computer als Automat, Werkzeug und Medium – die Gesellschaft reagiert (FN)
20.01 Vorbereitung auf Hochschultage
27.01 Vorbereitung auf Hochschultage
03.02 Abschluss (FN, DP)
Hochschultage – ej, Du, goil echt
Themen
9 = m + n
Graphen
[show details]Wir haben uns am 21. Oktober über Graphen unterhalten. Von der Zeit her gesehen zu kurz. Warum aber überhaupt?
[show details]Vektoren
[show details]
Iteration und Rekursion
[show details]
Implizite Funktionen
[show details]
Implizite Flächen
[show details]
L-Systeme und formale Grammatik – etwas vom Feinsten
[show details]Rekursion und Kreditpunkte
[hide details]Ideenskizzen
felix
Evolution von Gestaltung. Mithilfe von genetischer Algorithmik soll eine "ideale Gestaltung" auf einem Raster ermittelt werden. Darstellung?
- Selektion mithilfe der Besucher der Hochschultage
- Vorselektion - Produktion eines Videos
julian
glitch art.
benji
- Was ist umgekehrte Rekursion?
a -> f(a)
f(a) -> f(f(a))
...
f(a) -> a
a -> ?
- Ansatz?
f(a) = a + 2
Umkehrfunktion:
g(b) = b - 2
g(f(a)) -> a
g(g(f(a))) -> g(a)
^ /|\ L___ Rekursion?
- Ansatz?
Bei Replikation als rekursives Verhalten. Unter bestimmten Vorraussetzungen, erzeugt Objekt1 ein identisches Objekt2. Gleiche (nicht die selben) Objekte die wieder die dieses Verhalten aufweisen.
Äquivalenz Umgekehrte Rekursion: ?
- Egoismus? Denken über sich selbst.
Ich denke darüber nach wie ich über mich nachdenke.
"Denken Sie mal über sich nach!"
- Reproduktion aus eigenen Resourcen.
Ein System baut sich selbst nach, aus sich selbst. Ist sein Nachbau es selbst oder nur eine Kopie?
michele
kamera kreis. eine kamera filmt den screen der nächsten.
okan
eine art videospiegel in dem die gefilmten auf der basis der fibonacci reihe dupliziert werden.
philip
Rekursion, Genetische Programmierung, Papier
Was mutiert? Nach welchen Regeln mutiert es? Wie schaut es aus?
Was ist das? Blaues Licht. Was tut es? Es leuchtet blau.
adrian
non-interactive. code wird zu bild wird zu code.
martyna
Können sich Rekursionen gegenseitig aufheben? Kann eine Rekursion sich selbst zerstören? Kann eine Rekursion mutieren bzw. sich selbst beeinflussen? Warum können sich Rekursionen gegenseitig aufheben? Was muss ich tun, damit sie das tun? Was passiert, wenn sie das tun? Kann eine Rekursion überstehen? Als Gegenstand der Untersuchung wird das Raster dienen.
malte
eine kamera filmt menschen, ein algorithmus baut veränderungen in das gefilmte ein. ein projektor projeziert das gefilmte wieder auf die menschen. die veränderungen werden von der kamera wieder aufgenommen und ein feedbackloop entsteht.
david
etwas in seine unteraspekte zerlegen.
ariane
schneckenhaus. ( REF 'die formen der farben', karl gerstner )
ash
rekursion als prozess.
hendrik
interesse an vehicles und l-systemen.
simon
rekursion und audio?
jonas
eine formale odyssey in rekursive strukturen?
henrik
was bedeutet rekursion im alltag? unsere vergangenheit bestimmt die wahrnehmung der gegenwart. kann man rekursionen im alltag verhindern?
jonas
gefaltete dreiecke
dennis
?
Frieder
Beim Workshop zu Processing am Samstag, 23. Oktober, wurde die Frage gestellt, von welcher Art denn nun die Beiträge sein sollten, die wir erbitten und verlangen, wenn jemand die Leistungspunkte sammeln möchte. Dazu haben wir in der Tat bisher wenig verlauten lassen. Also muss etwas gesagt werden.
Bisher haben wir nur gesagt, Ihr sollt allein oder in Gruppen zu zweit oder zu dritt eine konkrete Aufgabe bearbeiten, die Ihr Euch im Rahmen eines Themas stellt, das wir vorgeben. Die Vorgabe lautet „Rekursion“. Das ist noch ein bisschen dürftig.
Randbedingungen sind noch: Eure Beiträge sollen zu einer Ausstellung zusammen kommen, die wir als Ergebnis dieses Semesters und als Leistungs-Schau des Kurses „Generative Gestaltung“ bei den Hochschultagen 2010 aufbauen wollen. Die Hochschultage finden am 5. und 6. Februar statt. Am 28. Oktober soll Ihr schon mal erste Ideen vortragen, die Ihr habt. Am 4. November ist unser Thema „Iteration und Rekursion“. Am 13. November, im Rahmen des dritten Workshop zu Processing, soll von Euch Genaueres kommen.
Von Mitte November bis Anfang Februar habt Ihr schon noch gut Zeit, um etwas Spannendes und Aufregendes zur Ausstellung bei den Hochschultagen zustande zu bringen. Wir werden aber regelmäßig und zum Ende hin sogar ausschließlich auf diese Beiträge hin unsere Arbeit orientieren müssen.
Was soll herauskommen? Ein Beitrag, der zu einer Ausstellung, die sich mit dem Thema „Rekursion“ befasst, angenommen werden kann. Was kann das sein? In erster Linie wohl eine Installation, die auf einem Programm, einer Implementierung basiert. Sie mag interaktiv sein oder passiv, sie mag visuell sein oder auditiv oder beides, sie mag ein Video sein, das abläuft, oder ein Programm. Der Beitrag mag eine Serie von Bildern sein. Ein Büchlein. Ein Mixed-Media Werk. Kurz, die Form soll für den Augenblick noch offen gelassen bleiben, bis Eure Ideen kommen.
Die Thematik aber, „Rekursion“ oder „Rekursivität“, muss sichtbar, wahrnehmbar, spürbar werden. Ihr sollt Euch mit diesem Thema befassen, wie man das so sagt. Ihr sollt in es eindringen, tief, nicht nur oberflächlich. In Gesprächen, in Betrachtungen, in Büchern, in Programmen. Ihr sollt Euch mit dem Thema „Rekursion“ befassen, um den Kern dessen zu erfassen, was mit Algorithmik gemeint ist; diesem Thema sollt Ihr dann aber eine gestaltete Form geben, um der Ästhetik nahe zu kommen. Unsere Einladung ist eine an Euch als Menschen, die sich stark mit den Digitalen Medien auseinander setzen.
Fragt Euch vielleicht:
Wie kann, wie will ich einem Aspekt von Rekursion gestalterisch Ausdruck verleihen? Wir werden Anregungen geben, Materialien bringen, die Euch hierzu anregen können. Ihr werdet in das Thema eindringen. Daraus entstehen Ideen. Mit ihnen setzen wir uns gemeinsam auseinander. So entwickeln sie sich weiter. Wir sind da total optimistisch.
Reference
Find below a stream of references relevant to the course. To contribute to the stream, post to delicious by using this tag hfkbremen-generative_gestaltung.
- Generative Gestaltung on Vimeo (September 29, 2011 02:27)
- Sound waveform bracelet at iainclaridge.net (October 28, 2010 10:15)
- Fraktal-Zoom (noch viel) größer als das Universum - Nerdcore (October 14, 2010 16:24)
Or post images and videos to this tumblr. You need to be invited to participate.
- Binary Beat (by Niklas Roy) (October 14, 2010 15:40)
Literatur- und Medienliste
Grundlagen
- »Generative Gestaltung. Entwerfen, Programmieren, Visualisieren« von H. Bohnacker, B, Groß, J. Laub, C. Lazzeroni, 2009
- »Maeda & media« von John Maeda, 2000
- »Creative code« von John Maeda, 2004
- »Processing. A programming handbook for visual designers and artists« von Casey Reas & Ben Fry, 2007
- »Form + Code in Design, Art, and Architecture« von Casey Reas, Chandler McWilliams, LUST, 2010
- »Visualizing Data« von Ben Fry, 2008
- »Organic Info Design«, Ben Fry, 2000
- »Programming interactivity. A designer's guide to Processing, Arduino, and openFrameworks« von Joshua Noble, 2009
- »Computer graphics for artists. An introduction« von Andrew Paquette, 2008
- »Pamphlet Architecture 27: Tooling« von Benjamin Aranda und Chris Lasch, 2005
Weiterführend
- »Vehicles: experiments in synthetic psychology« von Valentino Braitenberg, 1986
- »The Computational Beauty of Nature: Computer Explorations of Fractals, Chaos, Complex Systems, and Adaptation« von Gary William Flake, 2000
- »Kunstformen der Natur« von Ernst Haeckel, 1899.
- »Process as aesthetic paradigm - a nonlinear observation of generative art« Essay von Susanne Jaschko. 2004
- »Playing with Time« Vortrag von Brian Eno und Will Wright. 2006
- »Advanced Beauty« DVD Curated by Universal Everything, 2008
- »The grid book« Hannah B Higgins
Teilnehmer
- Marcel Helmer [4]
- Benjamin Pauer [5]
- Henrik Nieratschker [6]
- Benjamin Skirlo [7]
- Jonas Otto [8] , follow me on twitter
- Simon Ulbricht [9]
- Adrian Block [10]
- Philip [11]
- Malte Buttjer [12]
- Martyna [13]
- Okan Gürsel [14] , follow me @ tumblr
- Felix Heibeck [15]
- Dennis Siegel [16]
- David Friedrich [17]
- Michele [18]
- Hendrik [19]
- Ashley Kay [20]
- Ariane Dittrich [21]
- Julian Hespenheide [22]
Send email messages to everybody by writing to this address.
Information
B203
Gestaltung von Mediensystemen
Donnerstag 14.00 – 17.00 Uhr
Raum 3 09.100
Wochenendsessions Samstags:
16.10.2010
23.10.2010
13.11.2010
jeweils 11.00-18.00